Praxis-Check

Ausgehebelt: Die neue LO 55 von Mafell

Oberfräse
22.03.2024

Elektronische Drehzahlregulierung und Deboost-Technologie: Mafells neue Oberfräse verändert mit neuen Funktionen die Arbeitsweise von Profis
Maffel Oberfräse

Kaum eine Tischlerwerkstatt ist ohne Oberfräse. Oft sind mehrere Modelle in unterschiedlichen Größen und Leistungsklassen im Einsatz. Je nach Anspruch unterscheiden sich die Aufgabengebiete, die mit der jeweiligen Oberfräse in Angriff genommen werden können. Das größte Marktsegment bilden Maschinen mit einer Leistung von ca. 1000 Watt. Diese Maschinen sind vielseitig einsetzbar, handlich und verfügen über ausreichend Power, um kurzzeitig auch anspruchsvollere Aufgaben zu meistern. Genau für diese Klasse wurde die LO 55 von Mafell entwickelt. Doch welche Neuheiten kann man von dem neuen Mafell-Modell „Made in Oberndorf“ erwarten? Hier möchte das Tischler Journal einmal genauer schauen, was dem schwäbischem Maschinenhersteller im Detail zum Thema Oberfräse so eingefallen ist.

DIE TECHNISCHEN DETAILS UND DATEN

Die technischen Daten passen in das Marktmuster dieser Oberfräsenklasse. 1100 Watt Leistung und ein Drehzahlbereich von 10.000-24.000 min-1 sind in diesem Marktbereich durchaus üblich. Die 3,1kg Gewicht und die 55mm Frästiefe passen da ebenfalls in das übliche Schema. Schaut man sich dann die Fräse einmal genauer an, werden erste Unterschiede bereits bei der Einstellung des Drehzahlbereichs sichtbar. Anstelle eines Einstellrades wird die Drehzahl elektronisch per IPC Technologie über + oder - Tasten verstellt. Eine sechsstufige LED-Anzeige informiert über den jeweiligen Drehzahlstatus. Über eine Deboost-Taste kann die Drehzahl im Betrieb jederzeit um 30 Prozent reduziert werden, sodass im Bedarfsfall, zum Beispiel beim Eintauchen oder während der Bearbeitung von Hirnholz, mit einer reduzierten Drehzahl gearbeitet wird. So können Brandstellen, die einen höheren Fräserverschleiß und erhebliche Nacharbeiten nach sich ziehen, vermieden werden. Hierfür wird einfach die Deboost Taste nach links gedrückt und die Drehzahl wird entsprechend reduziert. In diesem Moment beginnt die Drehzahlanzeige zu blinken. So kann diese Funktion auch optisch wahrgenommen werden.

BELEUCHTETER ARBEITSBEREICH

Egal ob Fräserwechsel oder während dem Fräsen, im richtigen Licht lässt sich vieles einfacher und sicherer erledigen.

Mafell
Mit der flachen Hand wird der Hebel bis in die ­waagerechte gedrückt.

Jegliche Markierungen und Drehzahlangaben, die im Schaftbereich des jeweiligen Oberfräsers angebracht sind, können somit bei einem Fräserwechsel wesentlich besser erkannt werden. Aber auch während der Arbeit werden Ein- und Aussetzmarkierungen oder sämtlich Anrisse auf dem Werkstück besser sichtbar.
So wurde die neue Oberfräse von Mafell mit zwei LED Leuchtdioden unterhalb vom Motor ausgerüstet. Im geparkten Zustand ausgeschaltet, setzt die Beleuchtung sofort ein, wenn die LO55 in irgendeiner Weise bewegt wird.

NEUE FRÄSTIEFENARRETIERUNG

Jeder, der des Öfteren mit einer Oberfräse arbeitet, hat sicherlich schon einmal die Erfahrung gemacht, dass sich die Frästiefe während der Arbeit ungewollt verstellen kann.

Mafell
Ist die Arretierung gelöst, kann der Fräser entnommen werden. Der Verschluss der Tischöffnung lässt sich Werkzeuglos entfernen.

Nach einiger Zeit löst sich durch die Erschütterungen, die beim Fräsen auftreten, die Spannung der gewünschten Frästiefe. Hier hat Mafell durch den Einsatz einer Permafix-Feststellung einen Riegel vorgeschoben. Unterhalb vom vorderen Handgriff ist eine Taste angebracht, die, sobald sie gedrückt wird, eine Verstellung der Frästiefe zulässt.

Mafell
Über eine Arretierungsschraube kann der Höhenausgleich ausgelöst und festgestellt werden.

Bleibt sie unberührt, ist das Einhalten der Frästiefe garantiert. Sollte diese Funktion zum Beispiel beim Ausführen von Lochreihenbohrungen nicht erwünscht sein, lässt sie sich durch einen Dreh mit einem Inbusschlüssel ab und wieder zu schalten.      

FRÄSTIEFENVERSTELLUNG OHNE DREHBAREM REVOLVER

Auch die Arretierung der Frästiefeneinstellung wurde bei der LO55 überdacht. Anstelle einer Gewindeschraube wird der Tiefenanschlag per Spannhebel gespannt. Die Vorteile liegen ähnlich wie bei der Frästiefenarretierung auf der Hand. Ein durch Erschütterungen vorgerufenes automatisches Verstellen vom Frästiefenanschlag wird somit vermieden. Jegliche Unstimmigkeiten in der Frästiefe bis hin zu Beschädigungen auf der Werkstückunterseite gehören damit der Vergangenheit an.
Anstelle eines Revolveranschlages wird bei der LO55 mit einen Schiebeanschlag gearbeitet. Dieser bietet zusätzlich die Möglichkeit einer Frästiefenarretierung. So bleibt die eingestellte Frästiefe erhalten, auch wenn versehentlich der Auslöseknopf der Permafix-Arretierung ausgelöst wird. Hierfür wird die Frästiefenbegrenzung in ihre Endstellung gebracht und zur Seite geschwenkt. Nach dem Absenken in die gewünschte Frästiefe wird die Frästiefenbegrenzung zurück geschenkt und die Frästiefe ist arretiert. Sie bleibt nun bis zum Lösen der Frästiefenbegrenzung erhalten. Zusätzlich kann in dieser Funktion auch eine mögliche Feineinstellung in der Frästiefe vorgenommen werden.

MAGNETISCHER TISCHVERSCHLUSS

Soll durch einen Fräserwechsel von einem Oberfräser auf einen anderen gewechselt werden, lässt sich die Tischöffung vom Frästisch werkzeuglos entfernen. Zwei kleine Rastbolzen halten die Tischeinlage an ihrem Platz und ermöglichen ein einfaches Entnehmen. Es verbleibt eine Restöffnung von 32 mm Durchmesser. So bietet der Fräsertisch beim Arbeiten genügend Auflagefläche für ruckelfreie Fräsergebnisse.

RASTBARE KOPIERRINGE

Ohne zusätzlich eine Zentrierung vornehmen zu müssen, lassen sich die Kopierringe in den Maschinentisch einrasten. Gespannt, bzw. gehalten werden die Kopierringe durch zwei Sicherungsschrauben. Dies geschieht ebenfalls werkzeuglos. Neben den im Lieferumfang enthaltenen Kopierringen mit den Durchmessern 20, 30 und 40 mm sind zusätzlich im Zubehör Kopierringe mit 17 und 24 mm erhältlich. Neben den Kopierringen lassen sich auf diese Weise der Spanabweiser, der Ab-saugadapter und der Absaugadapter für die Führungsschiene montieren.

VARIABLER HÖHENAUSGLEICH

Immer dann, wenn mit einer Oberfräse im Kantenbereich gearbeitet wird, besteht die Gefahr, dass die Maschine abkippt. Fräsfehler, Neuanfertigungen aber auch Nacharbeiten wären hier die Folge. Hier hat jeder Hersteller eine eigene Vorgehensweise entwickelt, um diesem Problem Abhilfe zu schaffen. Mafell hat bei der LO55 seinen Höhenausgleich in die Tischführung integriert. Über eine Feststellschraube lässt sich diese Funktion ausführen. So können Höhenunterschiede von bis 40 mm exakt eingestellt werden.

SCHELLER FRÄSERWECHSEL

Werkzeuglos, so lässt sich auch der Werkzeugwechsel an der neuen Oberfräse, von Mafell umsetzen. Mittels Spannhebel können die Werkzeuge gelöst und gespannt werden. Hierfür wird der Spannhebel aufgeklappt und in die waagerechte Position gedrückt. Nun können die gewünschten Werkzeuge eingesetzt und gespannt werden. Neben der in der Maschine verbauten 8 mm Spannzange können im Bedarfsfall auch Reduzierhülsen von 8 mm auf 6 mm und von 8 mm auf 1/4" aus dem Zubehör für besondere Fräsarbeiten zum Einsatz kommen. Sollte es vorkommen, dass die Spannhebelfunktion durch besondere Umstände, wie ein sehr kurzer Fräser und ein montierter Kopierring, nicht genutzt werden kann, besteht immer noch die Möglichkeit, mithilfe von einem 5 mm Inbusschlüssel und einem 19 mm Maulschlüssel den Werkzeugwechsel vorzunehmen.   

VERSCHENKTER HUB

Schaut man sich die gängigen Fräswerkzeuge in diesem Marktsegment einmal genauer an, fällt auf, das fast alle Werkzeuge sehr dicht am Spannbereich der jeweiligen Oberfräse arbeiten. So verbleibt ein großer Teil vom Hub des Maschinentisches ungenutzt.
Kommt eine Schablone und ein Kopierring zum Einsatz, kann selten der gesamte Arbeitsbereich vom Oberfräser ausgenutzt werden. Egal welche Maschine von welchem Hersteller zum Einsatz kommt, die Werkzeuge sollten entsprechend sicher gespannt sein. Viele Oberfräser sind mit einer entsprechenden Spannmarkierung versehnen. Mafell rät dazu, eine Mindestspanntiefe von 20 mm einzuhalten. Die Lösung wären entsprechend gefertigte Oberfräser mit größeren Schaftlängen. Schade, dass man hier noch auf einen Impuls der Fräserhersteller warten muss. So könnten mit Oberfräsen eine Vielzahl von Arbeiten wesentlich einfacher und effektiver umgesetzt werden.

ZUBEHÖR

Jede Maschine ist nur so vielseitig wie das erhältliche Zubehör. Auch hier hat Mafell einiges im Angebot. Neben den bereits erwähnten Kopierringen hat man durch den Einsatz vom Oberfräsenadapter die Möglichkeit mit den vom Hersteller angebotenen Führungsschienen zu arbeiten.
Besonders interessant sind hier die beiden Varianten, mit denen sich Lochreihenbohrungen umsetzen lassen. Sie sind in den Längen 800 und 1600 mm verfügbar. Eine zuschaltbare Abtasteinheit ist im Oberfräsenadapter integriert.    

FAZIT

Eine Vielzahl nützlicher Details hat Mafell in die Entwicklung der neuen LO55 einfließen lassen. Sie machen das handwerkliche Arbeiten mit der Oberfräse in vielen Bereichen handlicher und effektiver. Es verwundert nicht, das Mafell keine halb- oder vollkommen digitale Zauberfräse hier präsentiert. Trotzdem zeigt die LO55, dass in Sachen Handoberfräse noch nicht das letzte Wort gesprochen war. Hier hat die Entwicklungsabteilung in Oberndorf ganze Arbeit geleistet um die Funktionen der Handoberfräse für uns Tischler*innen an die Ansprüche aus dem Arbeitsalltag anzupassen. Letztlich machen Funktionen wie Permafix, Deboost sowie der werkzeuglose Werkzeugwechsel, um nur einige zu nennen, die Arbeit wesentlich effektiver und präziser. Und da auch in unserem Handwerk Zeit Geld ist, zahlt sich jede Verbesserung in den Arbeitsabläufen langfristig aus.

www.lo55.mafell.de

Branchen
Tischlerei