KSV1870-Analyse

Managementfehler Hauptgrund für Firmenpleiten

Insolvenz
24.05.2023

Wie schon 2021 waren es auch 2022 hauptsächlich operative Ursachen, die heimische Unternehmen in die Insolvenz schlitterten ließen. Vorrangig ausgelöst wurden die Pleiten durch mangelhaftes Controlling und eine schlechte Kostenstruktur. Das waren aber längst nicht alle Stolpersteine.
In den meisten Fällen sind Managementfehler der Auslöser für eine Insolvenz.
Es gibt viele Gründe, warum Unternehmen insolvent werden können. In den meisten Fällen sind Managementfehler der Auslöser.

Die aktuelle KSV1870-Analyse hat die Ursachen der rund 2.200 eröffneten Unternehmensinsolvenzen im Vorjahr wie üblich unter die Lupe genommen. Dabei stellte sich heraus, dass es, wie gehabt, vor allem operative Ursachen hatte, dass die Betriebe Insolvenz anmelden mussten. Ganz genau betraf das 29 Prozent der insolventen Unternehmen. Im Vergleich zu 2021, wo 30,5 Prozent der Unternehmen aufgrund von Managementfehlern Pleite gingen, gab es diesbezüglich sogar einen leichten Rückgang von 1,5 Prozentpunkten.

Schwachstelle Management

Zu den häufigsten Schnitzern im Management zählen nach wie vor Planungsschwächen und fehlerhaftes Controlling (8,2 %). Aber auch eine schlechte Kostenstruktur aufgrund von Mängel innerhalb der Organisation (8,1 %) sowie Absatzschwächen in den Bereichen Werbung und Vertrieb (6,8 %) waren wesentliche Gründe, warum es Unternehmen in Österreich wirtschaftlich nicht geschafft haben.

„Klassische Managementaufgaben, die zur Basisarbeit eines gut funktionierenden Unternehmens zählen, sind weiterhin der Hauptgrund, warum Betriebe in Österreich in die Insolvenz schlittern. Obwohl es in den vergangenen Jahren eine mehrjährige Corona-Krise und aktuell stark steigende Preise zu verkraften gibt“, so Karl-Heinz Götze, Leiter KSV1870 Insolvenz. Ein Sonderfall im negativen Sinne ist Wien: Hier machen „Operative Ursachen“ sogar 36 Prozent aller Firmenpleiten aus. Das ist der absolute Höchstwert in Österreich.

Kein heimisches Phänomen

Um diese Informationen besser einordnen zu können: das Ergebnis ist kein österreichisches Phänomen. Denn das deutsche Magazin Harvard Business manager, eine Lizenzausgabe der amerikanischen Harvard Business Review, hat im Juni 2020 in einer Studie fünfzig einst erfolgreiche Unternehmen, die weltweit oder europaweit tätig waren und unerwartet abgestürzt sind, analysiert. Dabei zeigte sich, dass der Absturz in allen Fällen hausgemacht und alles andere als vermeidbar war. Eine Erkenntnis, die das KSV1870-Ergebnis zwar nicht besser macht, aber zumindest erklärt.

Insolvenzursache Corona-Krise

Ähnlich ausschlaggebend für Firmenpleiten 2022 waren laut KSV1870-Analyse mit 28,3 Prozent "Unbeherrschbare Umstände", wobei es hier gegenüber 2021 ein Plus von 1,4 Prozent gibt. Zu den "Unbeherrschbare Umstände" zählen neben „Krankheit und Unglücksfällen im persönlichen Umfeld der Unternehmer“ auch Faktoren wie Naturkatastrophen und insbesondere die Corona-Krise.

Während zu Pandemiebeginn die weltweite Krise als primäre Insolvenzursache Seltenheitswert hatte, war 2022 die Corona-Pandemie bei fast jeder vierten Pleite (22,2 %), der hauptausschlaggebende Faktor. In Salzburg (34 %), Vorarlberg (33 %) und Niederösterreich (32 %) zeigt sich diese Entwicklung besonders deutlich.

Ruin durch Gründungsfehler

Als dritthäufigste Ursache für Unternehmensinsolvenzen gelten weiterhin klassische Gründungsfehler (21,6 %), wobei es hier gegenüber 2021 zu einer Steigerung von 2,6 Prozentpunkte kam. Vor allem fehlendes branchenspezifisches Know-how sowie eine gewisse betriebswirtschaftliche Unerfahrenheit (12,9 %) waren die häufigsten Ursachen für den wirtschaftlichen Misserfolg. Aber auch das "Fehlen jedweder Eignung ein Unternehmen zu führen" (4,6 %) und ein schlichtweg zu geringes Eigenkapital bei der Gründung (4,1 %) führten dazu, dass es sich bei einigen Unternehmen am Ende finanziell nicht mehr ausging.

Defizite in der Geschäftsführung

Seltener geworden gegenüber 2021 ist der Faktor "persönliches Verschulden", auch als "Fahrlässigkeit" bekannt. Waren es 2021 noch 14,8 Prozent, hat sich der Prozentsatz 2022 auf 12,2 Prozent verringert. Vorrangig war es die "Vernachlässigung der Geschäftsführung" (6,7 %), die zum Bankrott führte. Doch auch "Strafbare Handlungen" (4 %) und "Zu hohe Entnahmen" (1,4 %) wurden, wenn auch nur in wenigen Fällen, zum wirtschaftlichen Verhängnis.

Den geringsten Anteil an Firmenpleiten haben die Bereiche "Strategische Ursachen" und "Externe Vorkommnisse". Bei den strategischen Ursachen sind es vor allem mangelhafte Antworten auf Markveränderungen (3,7 %), die zur Illiquidität führten. Bei den externen Vorkommnissen sind es hauptsächlich Konkurse von Abnehmern oder Lieferanten (1,1 %), die 2022 bei einigen Unternehmen schlussendlich die eigene Insolvenz verursachten.